Holašovice – Ländliches Barock
Die Fertigkeit und Kreativität der früheren ländlichen Baumeister spiegeln sich in den reich verzierten Fassaden der Häuser mit breiten Volutengiebeln wider. Diese sind oft mit Inschriften oder Motiven geschmückt, die den Beruf des Bauernhofbesitzers anzeigen.
Der wirtschaftliche Aufschwung der böhmischen Dörfer im 19. Jahrhundert, ausgelöst durch landwirtschaftliche und politische Reformen sowie weitere Einflüsse, führte zu einem beispiellosen Bauboom und zur Umgestaltung der bisher überwiegend blockhausartigen ländlichen Anwesen. In dem nahezu vollständig aus Stein bestehenden Holašovice zeigte sich diese Bauwelle etwa zwischen 1840 und 1885 beim Umbau der bisherigen Holzbarns. Der Hauptantrieb war das Bedürfnis der wohlhabender werdenden und emanzipierten bäuerlichen Schicht, ihren Status zu zeigen, was zur Entstehung des einzigartigen Phänomens des ländlichen Barocks führte, das in Europa seinesgleichen sucht. Holašovice sind das repräsentativste und am besten erhaltene Beispiel dieser bemerkenswert ausgereiften traditionellen Volksbaukunst, und ihre heutige Form dokumentiert das Aussehen eines typischen südböhmischen Dorfes um die Mitte des 19. Jahrhunderts mit starkem Genius loci.
Die ältesten Objekte sind zwei spätmittelalterliche Speicher aus dem frühen 19. Jahrhundert. Das Ziel der Denkmalpflegeinstitutionen, staatlicher Behörden und der lokalen Verwaltung ist es, Holašovice als normales, lebendiges Dorf mit überwiegend dauerhaft bewohnten Anwesen zu erhalten.
Holašovice 43
Jankov 373 84